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Die
Profis für Partys und Getränke
Das
Familienunternehmen von Manja Reschke ist
seit der Wende zu einem Markennamen in und
um Eisenhüttenstadt geworden
Von
Andreas Wendt
Kreis Oder-Spree (MOZ) Hohe
Arbeitslosigkeit, schlechte Zahlungsmoral,
düstere Auf- tragslage – die
Bedingungen für kleine und mittlere
Unternehmen und für Handwerks- betriebe
sind schlecht. Nur mit großem Engagement
können sie sich am Markt be- haupten. Das
Oder-Spree-Journal stellt in einer Serie
Unternehmen der lokalen Wirt- schaft vor
– mit ihren Schwierigkeiten und mit
ihren Erfolgen. Heute: der Getränkeser-
vice und Partyfuchs Reschke aus Eisenhüttenstadt.
Der Papa hat im BMK Ost gearbeitet, die
Mama war Sekretärin in der Berufsschule
des Eisenhüttenkombinats und die Tochter
studierte in Berlin Deutsch und Englisch,
um Berufs- schullehrerin zu werden. Mit
Getränken und Partys hatten sie nicht
viel mehr zu tun als jeder andere DDR-Bürger,
der in heißen Sommern froh war, wenn er
im Konsum noch ein paar Flaschen roter
Brause aus Neuzelle ergatterte. 16 Jahre
nach der Wende sind Getränke und die
Ausstattung von Partys quasi zum
Lebensinhalt der Schönfließer Familie
Reschke geworden. Wenn Eisenhüttenstadt
feiert, richten Manja, Christel, Klaus und
Stefan Reschke nicht selten die
Feier aus, was der Familie das Gütesiegel
„Partyfuchs“ einbrachte.
Begonnen
hatte es wie bei Bill Gates von Microsoft:
in einer Garage. Auf dem Schönfließer
Platz öffnete Klaus Reschke am 1. Mai
1990 das Garagentor und begann kurz nach
der Wen- de das ausgedurstete Volk mit
Getränken in allen Geschmacksrichtungen
zu verwöhnen. „Wir hatten 20 Sorten
Bier im Angebot, und unser
Verkaufsschlager war ‚Punica‘“,
erinnert sich die damals 20-jährige Manja
Reschke, die heute die Geschicke des
Familienunternehmens lenkt. Aufbauhilfe
Ost leistete damals der Onkel aus dem
Westen: Helmuth Krosch, selbst gestan-
dener Getränkehändler, unterstützte
seine Ostverwandtschaft nach Kräften.
Beispielsweise mit einem alten Partyzelt,
das vor die Garage gestellt wurde. Schnell
kamen nicht nur die Eisen- hüttenstädter
auf den Geschmack, sondern auch Familie
Reschke. Der Garagenverkauf in Schönfließ
boomte. „Man sprach von uns immer als
‚Punica-Oase‘, aber der Name war ja
geschützt“, erinnert sich Manja Reschke.
So wurde die Garage eben zum „Getränkemarkt
am Fließ“. Längst hatten Klaus und
Christel Reschke sowie Tochter Manja ihren
eigentlich Beruf bzw. ihr Studium
aufgegeben.
Als
die Schönfließer alte Traditionen
aufleben ließen und wieder regelmäßig
begannen, ihr Heimatfest im Juni zu
feiern, stand Reschkes Garage genau
richtig – mitten im Festgetüm- mel.
Wieder half der Onkel aus Neuss
aus, schickte eine Partyausrüstung in den
Osten, damit den Schönfließern bei Regen
nicht das Feiern vergeht – es war die
Geburtsstunde des Partyservice Reschke.
Der
Getränkehandel florierte in Schönfließ
– zur Freude der Familie, zum Ärger
einiger Anwoh- ner, die sich durch Autos
und Laster auf dem Schönfließer Platz um
ihre Ruhe gebracht sahen. Ende September
zog der Getränkemarkt in das frühere
Klubhaus „Philipp Müller“ an der
Oberschleuse. Immer öfter wurden die
Reschkes gebeten, doch Veranstaltungen mit
zu orga- nisieren – bei Festen oder bei
den Heimspielen des damals noch
hochklassigen EFC Stahl verkauften sie
Bratwurst, Bockwurst und rote Brause. Als
1993 erstmals der „Grand Prix“ im
Gehen auf der Insel ausgetragen wurde und
die Bitte des Veranstalters auf den Tisch
von Manja Reschke flatterte, doch für
Imbiss und Getränke zu sorgen,
investierte die Firma in das erste
richtige Partyzelt. Eine Investition, die
sich längst ausgezahlt hat. „Ich war
damals noch ein kleines Licht“, sagt sie
heute. Manches sei anfangs improvisiert
worden, heute laufe alles nach festen Plänen
ab und sei einfach viel professioneller.
Inzwischen ist Manja Reschke mit ihrer
Familie nicht nur auf dem jährlichen
Stadtfest oder beim Neujahrsempfang des Bürgermei-
sters mit ihrer Gastronomie vertreten,
sondern richtet mit den Silvesterfeiern in
der Inselhalle selbst Veranstaltungen aus.
Die kaufmännische Berufsausbildung zu
DDR-Zeiten kam Manja Reschke jetzt zugute.
Viel schaute sie sich beim Onkel in Neuss
ab, der seit 30 Jahren im Geschäft ist
und begann Mitte der 90er Jahre ein
Fernstudium. „Wir waren an einer Qualitäts-
grenze angekommen.“
1998
– mit Ende des Studiums – stand dem
Getränkemarkt am Fließ ein erneuter
Umzug bevor. Von der Oberschleuse zum
damals neu eröffneten Lidl-Markt in die
Gubener Straße im Ortsteil Fürstenberg.
Damals ein Glücksfall, heute ein Risiko,
denn die Plattenbauten rundum den neuen
Standort des Getränkemarkts sind
mittlerweile abgerissen. „Darunter haben
wir sehr zu leiden“, sagt Manja Reschke,
die sich deshalb dazu entschloss, im
Oktober vergangenen Jahres in der
Karl-Marx-Straße in Eisenhüttenstadt ein
weiteres Geschäft zu eröffnen, das
stadtnah gelegen, von bald drei Supermärkten
umkreist ist und von ihrem 25-jährigen
Bruder Stefan geleitet wird. Neben den
vier Reschkes finden im Unternehmen
weitere fünf Teilzeitkräfte Beschäftigung.
Neben
dem Getränkeservice Reschke profiliert
sich der Partyfuchs Reschke immer mehr.
Firmen, aber auch Privatleute nehmen bei
runden Jubiläen, Neueröffnungen oder
Hochzeiten die Dienste des Unternehmens in
Anspruch. Steht eine Party an, rückt
Manja Reschke mit ihrem Team an, liefert
das Partyzelt, die Dekoration, die Getränke
und kauft andere Leistungen wie Licht- und
Tontechnik sowie Speisen von zuverlässigen
Partnern dazu. Und da die Bevöl- kerung
in Eisenhüttenstadt immer älter wird,
bietet der Getränkeservice Leistungen an
wie den Lieferservice bis zur Wohnungstür
an jedem Dienstag oder einen Präsentservice
mit erlesenen Weinen.
Mit
dem Fußball sind die Reschkes trotz des
sportlichen Abstiegs der einstigen
Vorzeige- mannschaft Eisenhüttenstadts
noch eng verbunden. Sie unterstützen
weiterhin den EFC Stahl und auch den SV
Vogelsang, wo Stefan Reschke selbst regelmäßig
kickt. Auch Kinderein- richtungen wie die
Integrationskita „Kinderglück“ oder
die Pestalozzi-Schule liegen der Familie
sehr am Herzen. „Denen geben wir sehr
gern etwas“, sagt die 36-jährige
Unternehmerin Manja Reschke.
Die
Abkehr vom Lehrerstudium hat sie bis heute
nicht einen Moment bereut und sieht auch
zuversichtlich in die Zukunft. „Wir
glauben an Eisenhüttenstadt“, sagt sie
überzeugt. Und an die eigene Familie.
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